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Rache für den Mörder

Kriminalroman
Horst Seidenfaden
200 Seiten
15 x 23 cm, Broschur
ISBN: 978-3-936962-66-6
Euro 12,80 / SFr 20,80
Rache für den Mörder
Kriminalroman
Der Prokurist einer großen Kasseler Baufirma stürzt sich in einer lauen Mainacht von einer Autobahnbrücke in den Tod. In der folgenden Nacht wird der Eigentümer der Baufirma ermordet. Eine Überprüfung der Bücher ergibt, die Firma hat Gelder aus der Ukraine gewaschen. Im Safe des Bauunternehmens findet Kommissarin Anke Dankelmann eine mysteriöse Fotografie. Es ist eine Aufnahme, von der weder Datum noch Fotograf noch Aufnahmeort bekannt sind. Doch was hat sie im Safe zu suchen? Und hat sie etwas mit den beiden Todesfällen zu tun ...

Leseprobe:

„Es war 22 Uhr, ein wunderschöner Maiabend, hinter ihm brauste der Verkehr vorbei, trotz Tempobegrenzung war der Lärm immens. Laut genug, um still aus dem Leben zu scheiden. Nein, Angst vor dem Sprung hatte er nicht. Angst hatte er vor dem nächsten Tag, der nächsten Woche, dem nächsten Monat. Er saß auf der untersten Strebe des Brückengeländers und ließ in Millisekundenschnelle die letzten Tage Revue passieren. Als die Betriebsprüfung begann, war er sehr ruhig geblieben, doch in den letzten Tagen hatte diese Frau, die die Bücher prüfte, immer hartnäckigere Fragen gestellt. Sie war ihm auf die Schliche gekommen. Spätestens morgen, am Freitag, würde sie bei der nächsten Besprechung das Gerüst zum Einsturz bringen.
Nicht nur, dass er sich strafbar gemacht hatte. Sein Doppelleben, das er mit schwarzen Geldern finanziert hatte, die ihm sein Chef in den vergangenen Jahren für seine unsauberen Dienste gezahlt hatte, sein Doppelleben würde publik werden. Seine kleine Wohnung in der Innenstadt, sein gelegentlicher Kokainkonsum, die Damen, mit denen er die Abende in seinem Appartement verbracht hatte. Er würde seinen Kindern nicht mehr in die Augen schauen können, er würde gebrandmarkt durchs Leben gehen müssen.
Er wollte das nicht, und eigentlich war der Sprung in die Fulda nichts anderes als die Tatsache, dass er sich schon längst für all das bestrafen wollte. Er konnte mit dem Betrug nicht weiterleben – aber mit der Entdeckung des Betrugs konnte er erst recht nicht mehr leben. Von Sven, seinem 18-Jährigen Sohn, hatte er sich heute Morgen in Gedanken verabschiedet, der Junge war stark, er würde seinen Weg machen. Marianne, die 22-Jährige Tochter studierte in Gießen. Er hatte noch einmal ihr Portraitfoto gestreichelt, das auf dem Nachttisch seiner Frau stand. Helga, mit der er seit knapp 30 Jahren verheiratet war – sie war ihm egal.
„He, was machen Sie da? Wollen Sie sich umbringen?“ Er drehte sich um. Ein Mann, dessen Auto mit eingeschalteter Warnblinkanlage auf der rechten Spur stand, kam auf ihn zu. Er trug eine dieser lächerlich reflektierenden Westen. „Lassen Sie das, Mann. Das Leben ist zu wertvoll, um es wegzuwerfen, hören Sie?“ Der Mann kam langsam näher.
Wegwerfen? Er lächelte. Damit hatte er vor etwa zehn Jahren begonnen. Du hast keine Ahnung dachte er und sprang. Es fühlte dich so an, wie er es sich vorgestellt hatte. Der Körper gewann rasend schnell an Geschwindigkeit, wie beim Sprung vom Zehnmeterturm im Freibad am Auedamm. Er hielt die Augen geöffnet. Sein Körper schlug verdreht auf dem Wasser auf, die Oberfläche wirkte wie Beton, bevor andere Knochen barsten, zerbrach sein Genick. Peter Erdmann, der 52-Jährige Prokurist der Baufirma Gottlöber und Sohn GmbH in Kassel, verschwand unter der Wasseroberfläche. Wegen des Lärms auf der Brücke hatte man noch nicht einmal das Platschen im Wasser gehört. ...“